Auszug aus dem Buch: "Spielend zum Ziel"

POSITIVE DENKSTRUKTUREN

"Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will."

Albert Einstein

Jesus 2.0

In den letzten 10 bis 20 Jahren sind unglaublich viele Bücher von ganz unterschiedlichen Autoren erschienen, die behaupten oder uns zum Glauben verleiten, dass positives Denken und ein Affirmieren von Gedanken und gedachten Bilder alleine ausreicht, um das zu bekommen, was man sich quasi erdenkt. Wir wünschen uns das Leben oder die Welt so zu recht, wie wir es gerne hätten. Bücher und Filme, wie „Cosmic Ordering (Bestellungen beim Universum)“ oder „The Secret (Das Geheimnis)“, wurden in unglaublichen Stückzahlen verkauft und bestätigten alleine dadurch die Sehnsucht von vielen nach Freiheit im Denken und nach persönlichem Erfolg. Auch bestätigt es, dass sehr viele Menschen nicht zufrieden sind, mit dem Zustand ihres jetzigen Lebens.
Sehr lange habe ich darüber nachgedacht, habe sogar alle möglichen schlauen Ratschläge zahlreicher Gurus ausprobiert und darüber hinaus viele Menschen beobachtet, die ihr Glück auf diese Weise suchten. Ich konnte einige Menschen erleben, die zeitweise äußerst glücklich die vorgezeichneten Wege ihrer Meister gingen und einige, die fast blind alles nachplapperten, was allgemein hoch gelobt wurde.
Stand heute bin ich zu folgender Erkenntnis gelangt: Jeder dieser wohlgelittenen Gurus oder sympathischen Besserwisser hat auf seine Weise Recht, aber niemand sollte pauschal alles glauben, was nicht für ihn selbst Sinn macht.
Da jeder Mensch individuell – also einzigartig – ist, muss er sich selbst und das, was für ihn gut und gültig ist, entdecken und herausfinden. Dabei helfen uns die zahlreichen Ratgeber der jüngsten Zeit sehr wohl, aber es verbirgt sich hierin die Gefahr, dass wir Wissen mit eigener Erfahrung verwechseln. Nur die selbst gemachten Erfahrung und selbst erprobten Weisheiten, sollten für das jeweilige Individuum gültig sein, bzw. über allen anderen Schlauheiten stehen.

Gehirnforschung

Die Gehirnforschung untersuchte sehr ausführlich die psychologischen, neuronalen und biochemischen Mechanismen, die dem Vorgang des Denkens zugrunde liegen. Experten der Erkenntnistheorie, Spieltheorie, Logik und Denkpsychologie untersuchten, welchen Regeln das Denken folgen muss, um Wahrnehmungen sinnvoll zu verarbeiten oder um Probleme richtig zu lösen und die für Lösungsprozesse geeignete Schlüsse zu ziehen. 
Trotz intensiver Bemühungen und Unsummen an Forschungsgeldern ist der Erfolg bis heute mittelmäßig bis schlecht. Leider wird unser Verstand immer noch im Gehirn gesucht, obwohl doch mittlerweile offensichtlich sein sollte, dass unser Sein oder Ich nicht nur aus Materie und neuronalen Netzen und Systemen besteht. So werde ich hier die Ergebnisse meiner eigenen Beobachtungen und Erfahrungen in der Form weitergeben, wie sie dem Thema dieses Buches nützlich sein können.

Wie funktioniert Denken

Das Wort „Denken“ ist der Überbegriff für einige sehr ähnliche aber auch unterschiedliche Vorgänge innerhalb unseres Verstandes. Im Einzelnen können wir unterscheiden zwischen:

  • Den inneren Beschäftigungen mit den Vorstellungen des Außen. 
  • Vergeistigen (Ausmalen) und Verarbeiten (Prozessieren) von Erinnerungen.
  • Wünsche und Bedürfnisse formulieren, um sich gezielt auf Handlungen vorzubereiten.
  • Logische Schlüsse ziehen und den Ergebnissen eine bestimmte Form zu geben.

Unser Bewusstsein nimmt dabei meist nur die Ergebnisse oder Endprodukte wahr. Der Denkprozess als solcher geschieht oft unbewusst und wird durch unsere Konditionierung, die wir während unseres gesamten Lebens erfahren haben, beeinflusst und fast automatisch gesteuert. 
Leider denken die meisten Menschen zu viel und befinden sich dabei „gedanklich“ nicht in der Gegenwart. Deswegen behaupte ich gerne (natürlich mit einem Augenzwinkern), dass Denken grundsätzlich Glücksache ist, was aber sowohl negativ als auch positiv sein kann.
Eckhart Tolle , ein viel gelesener und allseits beliebter Guru (verzeihen Sie, wenn ich bei diesem Wort bleibe), beschreibt das, was da in uns vor sich geht, auf eine wunderbare Weise: „Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens. Das Gegenstück zur äußeren Stille ist innere Stille jenseits der Gedanken.“
Das Denken an sich dürfen wir nicht mit unserer Wahrnehmung und unserer Intuition verwechseln. Diese, insbesondere  die Wahrnehmungen, lösen jedoch Denkprozesse aus, die unbewusst leider auch fremd gesteuert sein können. Besonders, wenn unsere Sinne emotional angefunkt werden.
Ein geistig gesunder Mensch kann selbst entscheiden, was er denkt und sich dabei steuern. Im Idealfall nutzt er das Werkzeug Denken, um sich selbst neu zu konditionieren.
Dieser Effekt kann zur Leistungsmotivation genutzt werden, so wie es im Leistungssport bereits nachweislich und erfolgreich genutzt wird. Die Motivation durch „Denken in die richtige Richtung“ ist ebenso wichtig wie Psychomotorik und Coaching oder Training. Hier gilt, die Vorstellungskraft, die aktuelle Wahrnehmung und sogar das Gedächtnis auf das gewünschte Ziel zu konzentrieren bzw. auszurichten. Durch Training (ständiges Wiederholen) können alle wichtigen Reaktionen automatisiert werden. 
Ein Nachteil ist aber, dass wir uns selbst dabei unter Leistungsdruck setzen könnten, da wir unser persönliches Leistungsspektrum nicht immer optimal einschätzen können. Ehrgeiz wird zu Egoismus und Wille zum Kampf. Wir müssen hier das Gleichgewicht zwischen Geschwindigkeit der Zielerreichung (gewählte Zeitpunkte der Etappenziele) und unseren Fähigkeiten zu Denken, Wahrzunehmen und entsprechend angemessen zu reagieren im Auge behalten.

Programmierung

Wie im Kapitel „Die Falle“ schon erwähnt, werden wir von äußeren Umständen maßgeblich beeinflusst und regelrecht programmiert und konditioniert. Das Heimtückische daran ist, dass wir dies nicht vollumfänglich bemerken, da ein Großteil der Menschen nicht in der Lage ist, sich selbst und jede beteiligte kommunikative Wechselwirkung zu reflektieren. Oder nennen wir es einfach: sich selbst beim Leben – also bei Fühlen, Denken und Handeln – zu beobachten.
In diesem Zusammenhang ist es zweifelsfrei besser, sich mit positiven Gedanken zu beschäftigen, die natürlich durch ein positives Umfeld gefördert werden. Somit müssen wir auf jeden Fall erst einmal sämtliche Medien meiden, die schlechte Nachrichten verbreiten. Solange, bis wir genügend eigene gute Nachrichten besitzen.

Ein kluges Weltbild

Neben seinen grundlegenden Charaktereigenschaften zeichnet sich der Mensch dadurch aus, welcher Kultur er angehört und welche er meidet. Wir werden erzogen und erhalten ein Denkmuster, das auf einem Wissensgebilde basiert, welches von unserem Kulturkreis gelebt und oft gefeiert wird.
Hier verbirgt sich die Gefahr, dass wir „falsch konditioniert“ unsere eigenen Zielsetzungen vergessen oder verdrängen. Gleichzeitig besitzen wir aber zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens einen großen Entscheidungsspielraum, sofern wir in der Lage sind, alles Dogmatische zu hinterfragen.
Somit stellen sich für sehr viele die Fragen,

  • Welche Partei soll ich wählen?
  • Welche politische Gesinnung habe ich selbst?
  • Wie soll ich mich kleiden?
  • Welches Hobby wäre passend für mich?
  • Wo und wie soll ich wohnen?
  • Wie sieht der ideale Lebenspartner für mich aus?
  • Welchen Beruf soll ich erlernen oder ausüben?
  • Gibt es alternative Jobs für mich?
  • Wie reich will (darf) ich eigentlich sein?
  • Wer sind denn meine wirklichen Freunde?
  • Was kommt heute Abend im Fernsehen?

Hier unterscheiden wir erneut in zwei Menschentypen, den Konformisten und den Nonkonformisten. Der Konformist wartet, von sich selbst unbemerkt, bis der Nonkonformist die Welt verändert und die neuen Regeln und Rituale als allgemeingültig erklärt. Dann beschwert er sich entweder permanent darüber oder er findet sich damit ab, weil es halt so ist.
Da Sie dieses Buch lesen, sind sie kein Konformist und deswegen in der Lage zu verstehen, was tatsächlich vor sich geht. Sie interessieren sich für Veränderungen in eine positive Richtung und sind dabei auch am Wohlergehen anderer Menschen interessiert.
Grundsätzlich sollten wir beachten, dass wir nur ein Stück Glück für uns erreichen können, wenn wir es anderen auch zukommen lassen. Die meisten Menschen, die ich kenne, die sichtbar erfolgreich und glücklich sind, haben das dem Umstand zu verdanken, dass sie sich stark sozial verhalten und mindestens ihr direktes Umfeld verantwortungsbewusst in Teile ihrer Aktivitäten einbeziehen. Es gilt hier mein Lieblingsspruch, den ich bei meinen Coachings gerne verwende:

„Wenn Du Dich veränderst, dann veränderst Du die ganze Welt“.

Ich kann nicht sagen, dass dies leichte Kost ist, jedoch ganz sicher wertvoller, als zu erfahren, wer gerade wen in die Luft gejagt hat ;-)


Auszug aus dem Buch: "Spielend zum Ziel" von Frank H. Sauer.